Geschichte des Schullebens in Esterwegen

Schon im 17. Jahrhundert gab es für die Gebiete der Kirchspiele sogenannte Hauptschulen. Da der Schulweg für die Kinder jedoch oft sehr weit war, entstanden die sogenannten „Nebenschulen“, die im Gegensatz zu den Hauptschulen von den Interessenten, also den Dorfbewohnern selber, unterhalten werden mussten. So wurde der Unterricht in den Nebenschulen meist von Laien betrieben, die keinerlei Vorbildung hatten.

Esterwegen gehörte zum Kirchspiel Lorup. Dort befand sich auch die Hauptschule. Da Esterwegen, im Gegensatz zu vielen anderen kleinen Orten, eine Kapelle und somit einen Vikar besaß, konnte dieser den Schulunterricht übernehmen.

Der regelmäßige Unterricht in Esterwegen begann 1792, als Geistliche hier ihren festen Wohnsitz einrichteten, um mit der Hilfe von anderen frommen Menschen Kindern das Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen.

Der erste angestellte Lehrer in Esterwegen war Johann Heinrich Wessels.

Weil die Mittel zum Bau eines Schulgebäudes fehlten, fand der Unterricht in einer kleinen Kirche statt.

Da dieser Zustand auf die Dauer nicht tragbar war, errichtete man ein kleines Schulgebäude.

Aus dem Schreiben von Amtsminister Bues aus Haselünne an die Arenbergische Regierung ergibt sich, dass Gutsherr von Scheffert 1807 die gerade neuerbaute Schule mit der Begründung abreißen lies, dass sie zu tief unter den Bäumen stehe und nass würde. Man einigte sich darauf, die Schule an einem anderen Ort wieder aufzustellen. Doch die Bewohner, deren Aufgabe es eigentlich war, Holz und Steine herbeizuschaffen, kamen ihrer Verpflichtung nicht nach, sodass von Scheffert die Schule notdürftig wieder aufbaute. Im Winter 1807/1808 fand dort der Unterricht statt. Im Dezember 1808 befahl die Arenbergische Regierung den Wiederaufbau. Man errichtete einen kleinen Fachwerkbau an der Nordseite der heutigen Kirche, der aber schon nach kurzer Zeit einstürzte. Schullehrer Wessels unterrichtete seine Schüler von da an in einer Mietkammer im Hause des Wirtes Ulrich Breer zu Mühlenberg[1]

Als der Herr von Exterde, Gutsherr von Esterwegen nach einem Vergleich in einem Prozess mit der Schulgemeinde 450 Reichstaler zahlen musste, war der Grundstock der Baukosten für ein neues Schulgebäude gelegt. Unterstützt durch Exterde und den Erlös von Musikscheinen konnte der Bau 1838  in Auftrag gegeben werden. Die Baukosten beliefen sich auf 750 Reichstaler.

Im Sommer war von 8-10 Uhr Unterricht, im Winter von 9-12 Uhr. Die Bedeutung der Schule war den Kindern und Eltern zur damaligen Zeit noch nicht klar. Die Kinder wurden als Hilfen auf dem Hof gebraucht. Daher blieben sie der Schule oft fern. Im Sommer fiel der Unterricht oft ganz aus. Die damaligen Schulklassen sind mit den heutigen nicht zu vergleichen. Obwohl er nur wenige Stunden zu unterrichten hatte, belastete die Arbeit den Lehrer Kleene sehr. Manchmal musste er über 200 Kinder auf einmal unterrichten.

Um eine Entlastung herbeizuführen wurde um 1860 eine Zweitklasse eingeführt. Haussohn Behrend Kassens unterrichtete hier die sogenannte Vorklasse. Hier bekamen die Kinder die Grundlagen beigebracht, die sie für den späteren Unterricht brauchten. 1877 wurde der Schulbetrieb dreiklassig.

Um 1910 wurden die politischen Gemeinden zu Trägern des Schulwesens gemacht. Das wirkte sich für die Schule positiv aus, da bei Anschaffungen oder dergleichen nicht mehr bei den Eltern betteln mussten, denn, wie bereits erwähnt, waren die Eltern von der Bedeutsamkeit der Schule nicht sehr überzeugt.

Am 25. Juli 1913 wurde in einer Vorstandssitzung beschlossen,  für die Schule ein einklassiges Gebäude als drittes Klassenzimmer zu errichten. Gründe hierfür waren die schlechten Lichtverhältnisse in den Klassenräumen und die Lage an einer Straße, an der viel Verkehr herrschte. Der Bau sollte auf dem Spielplatz in den Bettlerbergen[2] errichtet werden. Am 1. April 1914 wurde der Bau für 10000 Mark fertig gestellt.

Außerdem renovierte man die alte Schule. Fenster und Fußböden wurden erneuert und die Decke erhielt einen neuen Anstrich. Die Kosten für den Umbau beliefen sich auf 938 Mark.

Am 1.07.1922 nahm Heinrich Bartolomäus das Amt des Schulleiters auf. Dies behielt er bis April 1923. Nach ihm war Heinz Kersten bis 1924 Schulleiter.

1930 wurde schließlich ein neues Schulgebäude mit drei Klassen auf dem Gelände der alten einklassigen Schule (Vogelburg) errichtet

Schulleiter zu dieser Zeit war Josef Schrempel.

Die Bedingungen, unter denen Lehrer und Schüler lehren und lernen mussten, waren schlecht. 1949 kam es vor, dass eine Lehrkraft über 70 Kinder zu unterrichten hatte. Zudem waren keine Lehr- und Lernmittel vorhanden und der Unterricht fiel regelmäßig aus.

Oft fehlten viele Kinder, weil sie zuhause arbeiten mussten.

Am 9.06.1949 fand die Grundsteinlegung für den Erweiterungsbau der Schule statt. Das Gebäude wurde nach Westen um drei Klassenräume erweitert. Zudem sollte er im Dachgeschoss einen Schulsaal enthalten.

1952 eröffnete eine Mädchen-Berufsschule im Keller ihren Unterricht. Die Leitung dieser Schule übernahm Marianne Diekhaus.

Weil die Zahl der sowjetischen Flüchtlinge, die im Lager Obdach fanden, anschwoll, entschied man sich dazu, die Lagerkinder im Rahmen eines dreistündigen Nachmittagsunterrichtes in der Schule zu unterrichten (Lagerschule). Im Herbst wurden alle Flüchtlinge nach Baden-Württemberg weitergeleitet und der Unterricht endete für eine kurze Zeit. Dann wurde er wieder für Deutsche aus Rumänien geöffnet. Schließlich verlegte man die Lagerschule ins Lager in Baracke 26. Die zusätzlichen Unterrichtsstunden und der Wechsel zwischen den Schulstandorten bedeuteten für die Lehrer eine enorme Belastung.

Ein dringend notwendiger Schulerweiterungsbau wurde 1950 an der Alten Schulstraße fertig gestellt. An das bisherige dreiklassige Schulgebäude wurde ein Anbau gesetzt, der zwei weitere Klassenräume und im Dachgeschoss einen Schulsaal beherbergte.

Außerdem baute man das Dachgeschoss des alten Schulgebäudes aus. So stand den Lehrern sowohl ein Konferenzraum als auch ein Lehrmittelraum zur Verfügung.

1956 entstand in der Schule ein weiteres Klassenzimmer, ein Gruppenraum und ein Duschraum mit Toilettenanlagen. Dieser wurde nicht nur von den Kindern genutzt. Gegen eine Gebühr von 0,50 DM konnten die Erwachsenen am Samstagnachmittag die Einzelduschen benutzen. Samstagmorgens waren die Duschen für die Kinder reserviert.

Zudem wurde bei den Renovierungsarbeiten eine Kokszentralheizung eingebaut. Die 1930 errichtete Volksschule musste dagegen noch mit Torföfen beheizt werden. Bei schlechten Windverhältnissen wurden die Klassen regelrecht eingeräuchert. In den sieben Klassenräumen wird es zunehmend enger.

Als zweitgrößte Schule im Kammerbezirk wurde 1957 die Landwirtschaftsschule eingeweiht. 1963 löste man diese aufgrund mangelnder Schülerzahlen wieder auf.

1958 trat Rektor Krampitz in den Ruhestand und wurde von Rektor Blömer abgelöst.

1959 wurde das Lager und somit auch die Lagerschule aufgelöst und die Bewohner nach Nordrhein-Westfahlen umgesiedelt.

Ein großer Zuwachs an Schulkindern Anfang 1960 und eine unzureichenden Lernmittelausstattung erforderte schließlich den Neubau eines Schulgebäudes. 1966 begann man mit dem ersten Bauabschnitt. Er beherbergt acht Klassen. Acht weitere Klassen wurden 1969 fertig gestellt.

Hans-Dieter Emmerling, der von 1964-1989 als Schulleiter fungierte, leitete bis 1990 Grundschule, Orientierungsstufe, Hauptschule, Realschule und den Schulkindergarten. Während der Herbstferien im Jahr 1964 wurden in allen Klassen, in denen noch Kohleöfen standen, die Heizung auf Öl umgestellt.

Am 1. April 1966 wurde die Förderstufe in Esterwegen eingerichtet. Die Fächer Mathematik und Englisch unterrichtete man in Fachleistungskursen. Der A-Kurs stellte höhere Anforderungen an die Schüler als der B-Kurs.

Noch mehr Bedeutung erlangte der Schulstandort Esterwegen, als 1967 die Hauptschule einführte, die die bisherige Förderstufe ablöste. Zudem entstand 1968 die Sonderschule für Lernbehinderte (heute „Waldschule“). Da die Zahl der schulpflichtigen Kinder immer weiter anstieg, musste zunächst auf das alte Schulgebäude zurückgegriffen werden.

1970 erbaute man ein dreigeschossiges Gebäude mit zwölf Klassen. Des Weiteren wurde eine kleine Sporthalle errichtet.

Die zentrale Rolle, die Esterwegen im Schulwesen spielte verschaffte dem Ort auch den Hauptverwaltungssitz bei der Bildung der Samtgemeinde 1973. Die Zentralisierung Esterwegens hatte auch seine Schattenseiten: Der Erhalt der Grundschulen in kleineren Orten wurde zunehmend gefährdet.

Im Jahr 1974 betrug die Schülerzahl knapp 800. Die vorhandenen Klassenräume reichten immer noch nicht aus. Daher wurde der vierte Trakt gebaut, der beinhaltete: Werkräume, eine Schulküche mit Essraum, 2 Textilräume und eine moderne Mehrzweckhalle. Der ganze Stolz der Schule war 1971 das neue Sprachlabor als einziges im ganzen Landkreis.

Anschließend baute man 1980 unter dem Einsatz von 3 043 000 DM den zweigeschossigen Gebäudekomplex, der heute einige Fachräume und die Verwaltung unterbringt.

1979 wurde die Orientierungsstufe eingeführt. Erst nach der 6. Klasse sollten die Schüler zur Hauptschule, Realschule oder zum Gymnasium übergehen. Das Einzugsgebiet erstreckte sich über Esterwegen, Bockhorst, Breddenberg, Hilkenbrook und Surwold.

Zur nächsten Realschule aber mussten die Schüler eine durchschnittliche Fahrzeit von 45 Minuten zurücklegen. Diese Situation erwies sich als nicht mehr tragbar. So wurde 1981 in Esterwegen eine Realschule errichtet.

1985 wurde eine große Sporthalle fertig gestellt. 15 Millionen Euro kostete der gesamte Bau. Finanziell wurden die Samtgemeinde Nordhümmling und der Landkreis Emsland  durch das Land Niedersachsen und die Bundesanstalt für Arbeit unterstützt.

1991 trennt sich die Grundschule vom bisherigen Schulsystem. Die Leitung der Grundschule übernahm Herr Grewe zunächst kommissarisch.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts kam der Wunsch auf, am Standort Esterwegen ein Gymnasium zu errichten. Ein Grund hierfür sind die langen Anfahrtswege der Schüler zu den umliegenden Gymnasien. Mit der Begründung, die Schülerzahlen würden nicht ausreichen, wurde der Antrag aber vom Landkreis abgelehnt.

Im Jahr 2004 wurde die Orientierungsstufe abgeschafft und 2009 fand eine Verselbstständigung der Außenstelle in Börgermoor statt.

Auf Initiative des Schulelternrats wurde 2006 ein Förderverein ins Leben gerufen. Dieser hat sich zum Ziel gemacht, die Bereitstellung von Materialien und finanziellen Hilfen in der Schule zu gewährleisten.

Der aktuelle Schulleiter ist seit 2004 Gerd Rothlübbers. Er löste den seit 1989 amtierenden Klaus Kerkmann ab.

Schulleiter der Schule von 1922 bis heute

1.07.1922        –          1.04.1923                   Heinrich Bartolomäus, 1. Lehrer

21.04.1923      –          30.03.1924                 Heinz Kersten, 1. Lehrer

1.04.1924        –          30.03.1935                 Josef Schrempel, Hauptlehrer

1.04.1935        –          30.03.1938                 Otto Könnemann, Hauptlehrer

1.04.1938        –          30.04.1943                 Ferdinand Vinke, Hauptlehrer

17.05.1943      –          31.12.1945                 Eißing, Hauptlehrer

10.01.1946      –          31.12.1947                 Konrad Höhner, kommisarischer Schulleiter

1.01.1947        –          31.11.1948                 Dr. Hinkelammert, Schulrat

1.01.1952        –          1.10.1958                    Georg Krampitz, Rektor

1.11.1958        –          20.12.1963                 Josef Blömer, Rektor

1.04.1964        –          31.07.1989                 Dieter Emmerling

1.09.1989        –          31.07.2004                 Klaus Kerkmann, Realschulrektor

1.08.2004        –           heute                          Gerd Rothlübbers, Oberschulrektor

Quellen

Blüggel, Albert (1973):         Die Entwicklung des Schulwesens in Esterwegen. Erschienen in: Esterwegen gestern und heute.

Schmidt-Czaia, Bettina (1999): Esterwegen 1223 bis 1999. Surwold: Ahorn.

[1] heute: Wirtschaft Johann Heyen.

[2] heutiges Schulgelände

 

Sarah Schütte